EUDR und Brasilien: Standard-Risk — was das für Kaffee und Soja bedeutet
Kurz-Antwort
Brasilien ist NICHT als Low-Risk eingestuft — ein häufiger Irrtum. Der Anhang der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1093 listet Brasilien nicht auf; nach Art. 1 Satz 2 gilt damit Standard-Risk. Für Importeure bedeutet das die volle Sorgfaltspflicht mit vollständiger Risikobewertung, nicht das vereinfachte Verfahren nach Art. 13 EUDR. Geo-Koordinaten sind ohnehin Pflicht. Für Kaffee und Soja aus Brasilien steht das CAR-Katastersystem (Cadastro Ambiental Rural) als zuverlässige Koordinatenquelle zur Verfügung.
Brasilien im EU-Länder-Benchmark: Standard-Risk und was das bedeutet
Ein weit verbreiteter Irrtum: Brasilien ist NICHT als Low-Risk eingestuft. Der Anhang der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1093 listet Brasilien nicht auf — nach Art. 1 Satz 2 („A standard level shall be maintained for all countries not listed in the Annex") gilt damit Standard-Risk. Das betrifft DACH-Importeure unmittelbar, denn Brasilien ist der weltgrößte Exporteur von Kaffee, Soja und Rindsleder sowie ein bedeutender Holzexporteur.
Standard-Risk bedeutet die volle Sorgfaltspflicht: vollständige Risikobewertung mit Walddaten-Prüfung, Dokumentation etwaiger Risikominderungsmaßnahmen und vollständige DDS. Die Erleichterungen der vereinfachten Sorgfaltspflicht nach Art. 13 EUDR gelten ausschließlich für Low-Risk-Länder und stehen für Brasilien-Importe nicht offen.
Wer bisher von einem Low-Risk-Status Brasiliens ausgegangen ist, sollte seine Sorgfaltspflicht-Prozesse überprüfen: Für brasilianische Warenströme ist der vollständige Prüfumfang erforderlich, nicht der reduzierte. Gerade bei entwaldungssensiblen Regionen wie Cerrado und Amazonasgebiet ist die Koordinaten- und Walddaten-Prüfung besonders wichtig.
Wichtige Anbauregionen und Koordinaten-Beschaffung in Brasilien
Kaffee: Minas Gerais (ca. 50 % der brasilianischen Produktion), São Paulo, Bahia, Espírito Santo. Große Fazendas mit GPS-Systemen. CAR (Cadastro Ambiental Rural) ist eine öffentlich zugängliche Datenbank mit Flächen-Polygonen. Anfragen direkt an Exporteur oder Kooperativen.
Soja: Mato Grosso (Hauptproduktionsgebiet), Paraná, Goiás, Mato Grosso do Sul. Sehr großflächige Plantagen (>100 ha), immer Polygone erforderlich. Soja-Exporteure (Cargill, ADM, Bunge) haben GPS-Daten standardmäßig verfügbar.
Rindsleder: Mato Grosso, Pará, Rondônia. Weideflächen sind oft sehr groß; Polygone erforderlich. Koordinaten-Beschaffung über brasilianische Lederexporteure; CAR-Daten können als Grundlage dienen da auch Weideflächen registriert sind.
- CAR — Cadastro Ambiental Rural (Brasilien) ↗Öffentlich zugängliche brasilianische Umweltkataster-Datenbank mit Flächen-Polygonen für Kaffee-, Soja- und Weideflächen. Ausgangsbasis für EUDR-Koordinaten bei brasilianischen Lieferanten.
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EUDR-Check starten →Häufige Fragen
- Ist Brasilien EUDR-Low-Risk?
- Nein. Brasilien steht nicht im Anhang der DVO (EU) 2025/1093 und gilt damit nach Art. 1 Satz 2 als Standard-Risk. Die Annahme, Brasilien sei Low-Risk, ist weit verbreitet, aber falsch — sie führt dazu, dass Importeure eine vereinfachte Prüfung anwenden, auf die sie keinen Anspruch haben.
- Was bedeutet Standard-Risk für Brasilien konkret?
- Standard-Risk bedeutet: vollständige Risikobewertung mit Walddaten-Prüfung, Dokumentation der Risikominderungsmaßnahmen und vollständige DDS. Die Erleichterungen des Art. 13 EUDR (vereinfachte Sorgfaltspflicht) stehen nur für Low-Risk-Länder offen.
- Was ist das CAR-System und wie hilft es bei der EUDR?
- Das CAR (Cadastro Ambiental Rural) ist Brasiliens nationales Umweltkatastersystem. Es enthält GPS-Polygone für über 6 Millionen landwirtschaftliche Betriebe. Kaffee- und Soja-Importeure können CAR-Daten als EUDR-Koordinatenquelle verwenden.
- Gilt die Einstufung für ganz Brasilien oder nur bestimmte Regionen?
- Der Benchmark stuft ganze Länder ein — Brasilien ist als Ganzes Standard-Risk. Zusätzlich können Walddaten für einzelne Regionen (z. B. Pará, Mato Grosso) erhöhte Entwaldungsraten zeigen, was die Einzelflächenprüfung verschärft.
- Welche brasilianischen Produkte sind EUDR-relevant?
- Hauptprodukte: Arabica- und Robusta-Kaffee (HS 0901), Sojabohnen (HS 1201), Sojaöl (HS 1507), Rindfleisch und Leder, Holz aus dem Atlantischen Regenwald.
- Wie frage ich brasilianische Lieferanten nach EUDR-Koordinaten?
- Fragen Sie nach der CAR-Nummer (Cadastro Ambiental Rural) des Anbaubetriebs. Mit dieser Nummer können Sie die GPS-Polygon-Daten über das brasilianische SICAR-Portal abrufen.
Hinweis zur Einordnung dieses Ergebnisses
WaldNachweis berechnet auf Basis Ihrer Angaben gemaess Verordnung (EU) 2023/1115 (EUDR). Das Ergebnis ist eine strukturierte Berechnungsgrundlage - kein Rechtsgutachten, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG. Die finale rechtliche Bewertung obliegt Ihnen und Ihrem Rechtsberater. Der Anbieter uebernimmt keine Haftung fuer Entscheidungen auf Basis dieses Ergebnisses.