Zum Hauptinhalt springen
Verordnung (EU) 2023/1115 · KMU-Frist: 30. Juni 2027
WaldNachweis

EUDR Geo-Koordinaten: Anforderungen, Format und Beschaffung

Kurz-Antwort

EUDR-Geo-Koordinaten müssen im WGS84-Format (Dezimalgrad) vorliegen. Bei Anbauflächen unter 4 Hektar genügt ein Punkt-Koordinatenpaar. Bei Flächen über 4 Hektar ist ein Polygon (GeoJSON oder KML) zwingend erforderlich. Die Koordinaten müssen die tatsächliche Anbaufläche identifizierbar machen, nicht nur den Betrieb des Lieferanten.

WGS84: Das Pflicht-Koordinatensystem der EUDR

Die EUDR schreibt keine explizite Norm für das Koordinatensystem vor, aber TRACES NT akzeptiert ausschließlich Koordinaten im WGS84-System (World Geodetic System 1984). WGS84 ist das weltweit gebräuchlichste geodätische Referenzsystem und entspricht dem, was GPS-Geräte und Google Maps ausgeben.

Das Format ist Dezimalgrad: Breitengrad (Latitude) zwischen -90 und +90, Längengrad (Longitude) zwischen -180 und +180. Ein Beispiel für eine Kaffeeplantage in Äthiopien: 7.1234, 38.5678. Süd- und West-Werte sind negativ.

Nicht akzeptiert werden: Grad-Minuten-Sekunden (DMS, z. B. 7°7'24"N), UTM-Koordinaten oder nationale Referenzsysteme. Solche Formate müssen vor der DDS-Einreichung in WGS84-Dezimalgrad konvertiert werden.

Die 4-Hektar-Grenze: Wann Punkt, wann Polygon?

Bei Anbauflächen kleiner als 4 Hektar (entspricht etwa 40.000 m² oder ca. 5,6 Fußballfeldern) genügt ein einzelnes Koordinatenpaar — ein Punkt der innerhalb der tatsächlichen Anbaufläche liegt. Das erleichtert die Koordinatenbeschaffung erheblich, da Kleinbauern den Flächenschwerpunkt auch per Smartphone erfassen können.

Bei Flächen größer als 4 Hektar ist ein Polygon erforderlich: eine Folge von Koordinatenpaaren, die den Umriss der gesamten Anbaufläche beschreiben. Das Polygon muss sich selbst schließen (letzter Punkt = erster Punkt) und darf keine Überschneidungen haben.

Praktisch relevant ist die 4-Hektar-Grenze vor allem bei Kaffee und Kakao aus Kleinbauernstrukturen: In Äthiopien bewirtschaften über 90 % der Kaffeebauern Flächen unter 2 Hektar — hier genügt in fast allen Fällen ein Punkt.

Koordinaten aus verschiedenen Quellen: Was taugt was?

GPS-Gerät oder Smartphone vor Ort: die präziseste Methode. Handelsübliche GPS-Geräte erreichen unter freiem Himmel 3–5 Meter Genauigkeit; aktuelle Smartphones 5–10 Meter. Für EUDR-Zwecke ist das ausreichend.

Google Maps / Google Earth: ermöglicht die Ablesung von WGS84-Dezimalkoordinaten per Rechtsklick. Für Punkt-Koordinaten bei Flächen unter 4 ha brauchbar. Für Polygone ungeeignet — GIS-Software ist dann notwendig.

Lieferantenkarten und behördliche Kataster: In manchen Ländern (z. B. Costa Rica, Brasilien) existieren digitale Flächenkataster mit Parzellendaten. Diese können als Grundlage für Polygone dienen. Qualität variiert stark nach Land.

Satellitenbilder (Sentinel, Planet, Google Earth Pro): ermöglichen nachträgliche Digitalisierung von Polygonen. Sinnvoll wenn Lieferanten selbst keine Grenzen vermessen können.

GeoJSON und KML: Die Polygon-Formate im Vergleich

GeoJSON ist ein offenes JSON-basiertes Format für geografische Daten. Ein einfaches Polygon sieht so aus: {"type":"Feature","geometry":{"type":"Polygon","coordinates":[[[lon1,lat1],[lon2,lat2],...,[lon1,lat1]]]}}. TRACES NT akzeptiert GeoJSON für Polygon-Einreichungen.

KML (Keyhole Markup Language) ist das Format von Google Earth. Es ist XML-basiert und wird ebenfalls von TRACES NT und WaldNachweis akzeptiert. Viele GPS-Geräte und Smartphone-Apps können direkt KML exportieren.

Für KMU die keine GIS-Erfahrung haben, ist KML in der Regel einfacher zu erzeugen: Google Earth ermöglicht das manuelle Einzeichnen von Polygonen und den KML-Export ohne zusätzliche Software.

Koordinaten-Plausibilität prüfen: Liegt der Punkt richtig?

Bevor Koordinaten in eine DDS eingetragen werden, sollten sie auf Plausibilität geprüft werden. Liegt die Koordinate wirklich in der richtigen Region? Liegt sie auf landwirtschaftlicher Nutzfläche und nicht im Meer oder mitten in einer Stadt?

WaldNachweis führt automatisch eine Plausibilitätsprüfung durch: Die eingegebenen Koordinaten werden gegen den EU-Länder-Benchmark (Durchführungsverordnung (EU) 2025/1093) abgeglichen und das Länder-Risiko sofort als Ampel angezeigt. Der visuelle Karten-Abgleich sowie der flächengenaue JRC-Satellitendaten-Abgleich folgen in der Vollversion.

Schlägt die Plausibilitätsprüfung an, empfiehlt es sich, beim Lieferanten nachzufragen. Eine DDS mit falschen Koordinaten ist nicht EUDR-konform — auch wenn die Ware tatsächlich entwaldungsfrei produziert wurde.

Kostenloser EUDR-Eignungs-Check

Prüfen Sie jetzt Ihre Lieferanten: Koordinaten eingeben, Risiko-Ampel erhalten. Kostenlos, ohne Registrierung.

EUDR-Check starten →

Häufige Fragen

Welches Koordinatenformat verlangt die EUDR?
Die EUDR verlangt WGS84-Koordinaten im Dezimalgrad-Format (z. B. 48.137154, 11.576124). GeoJSON und KML werden als Polygon-Formate akzeptiert. UTM- oder andere Projektionssysteme müssen vorab konvertiert werden.
Was ist der Unterschied zwischen Punkt und Polygon?
Ein Punkt (Lat/Lon-Paar) reicht für Anbauflächen unter 4 Hektar. Für alle Flächen über 4 Hektar ist ein Polygon erforderlich, das den Umriss der tatsächlichen Anbaufläche beschreibt.
Wie genau müssen die Koordinaten sein?
Es gibt keinen definierten Präzisions-Schwellenwert in der Verordnung, aber die Koordinaten müssen die Fläche eindeutig identifizierbar machen. In der Praxis wird mindestens 5 Dezimalstellen-Genauigkeit (ca. 1 Meter) empfohlen.
Was wenn mein Lieferant keine Koordinaten liefern kann?
Ohne Koordinaten ist keine EUDR-konforme DDS möglich. Sie müssen entweder beim Lieferanten darauf bestehen oder den Lieferanten wechseln. Eine DDS ohne Koordinaten ist nicht einreichbar.
Können Koordinaten aus Google Maps verwendet werden?
Koordinaten aus Google Maps liefern WGS84-Dezimalgrad und können technisch verwendet werden. Für Polygone benötigen Sie jedoch GIS-Software oder das Kartenmaterial des Lieferanten. WaldNachweis akzeptiert manuell eingegebene Koordinaten, GeoJSON und KML.

Hinweis zur Einordnung dieses Ergebnisses

WaldNachweis berechnet auf Basis Ihrer Angaben gemaess Verordnung (EU) 2023/1115 (EUDR). Das Ergebnis ist eine strukturierte Berechnungsgrundlage - kein Rechtsgutachten, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG. Die finale rechtliche Bewertung obliegt Ihnen und Ihrem Rechtsberater. Der Anbieter uebernimmt keine Haftung fuer Entscheidungen auf Basis dieses Ergebnisses.