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Verordnung (EU) 2023/1115 · KMU-Frist: 30. Juni 2027
WaldNachweis

Gilt die EUDR für Kaffeeröster und Kaffeehändler?

Gilt für: Kaffee & Kakao · KMU-Frist: 30. Juni 2027

Kurz-Antwort

Ja, Kaffee fällt unter die EUDR. Kaffeeröster und -händler müssen für Kaffee aus Brasilien, Äthiopien, Vietnam und anderen Herkunftsländern nachweisen, dass der Kaffee nicht auf seit dem 31. Dezember 2020 entwaldeten Flächen angebaut wurde. KMU-Frist: 30. Juni 2027.

Welche Kaffeeprodukte fallen konkret unter die EUDR?

Kaffee ist einer der sieben EUDR-Rohstoffe. Betroffen sind: Rohkaffee (HS 0901.11, 0901.12), gerösteter Kaffee (HS 0901.21, 0901.22), entkoffeinierter Kaffee, Kaffee-Extrakte und -Zubereitungen (HS 2101.11, 2101.12). Auch Kaffeekapseln und Instantkaffee fallen darunter, sofern Rohkaffee oder Röstung EUDR-relevante Anteile enthält.

Nicht erfasst: Produkte in denen Kaffee nur ein Aromamittel oder Spurenbestandteil ist, ohne eigenständige Rohkaffee-Zutat (z. B. Kaffee-Aroma in Süßwaren). Die EUDR-Relevanz hängt vom tatsächlichen Kaffee-Rohstoffgehalt ab, nicht nur von der Produktbezeichnung.

Entscheidend für die Operator-Stellung: Wer Rohkaffee direkt aus einem Nicht-EU-Land importiert und in Deutschland röstet oder verarbeitet, ist Operator. Wer bereits gerösteten Kaffee von einem deutschen Importeur kauft, ist Händler.

Hauptlieferländer Kaffee: Risikostatus nach EU 2025/1093

Brasilien (größter Exporteur weltweit): Standard-Risk — nicht im Anhang der DVO 2025/1093 gelistet (Art. 1 Satz 2). Es gilt die volle Sorgfaltspflicht mit vollständiger Risikobewertung; die vereinfachte Prüfung nach Art. 13 EUDR steht hier nicht offen.

Vietnam (zweitgrößter Exporteur): Low-Risk laut Anhang DVO 2025/1093 — vereinfachte Sorgfaltspflichten nach Art. 13 EUDR möglich, Koordinatenpflicht bleibt bestehen. Vietnam ist der weltgrößte Robusta-Produzent; viele deutsche Massenkaffee-Mischungen enthalten vietnamesische Bohnen.

Äthiopien (größter afrikanischer Produzent, Arabica-Herkunft): Standard-Risk. Koordinaten-Beschaffung in Äthiopien ist besonders herausfordernd, da über 60 % des Kaffees von Kleinbauern mit Flächen unter 1 ha stammt — diese brauchen nur Punkt-Koordinaten, müssen aber persönlich erfasst werden.

Kolumbien, Costa Rica, Peru, Honduras: Standard-Risk. Honduras und Guatemala haben ausgeprägte Kleinbauernstrukturen, gut entwickelte Kooperativen die Koordinaten oft bereits erfassen.

Koordinaten für Kaffeeplantagen: Kleinbauern und Kooperativen

Das größte praktische Problem bei Kaffee: Über 12,5 Millionen Kaffeebauern weltweit bewirtschaften Flächen unter 2 Hektar. Eine direkte Koordinatenabfrage bei jedem einzelnen Kleinbauern ist für Importeure nicht machbar.

Die Lösung liegt in der Kooperativen-Struktur: Kaffeebauern sind in vielen Anbauregionen in Kooperativen organisiert, die bereits GPS-Erfassungen für Qualitätszertifikate oder Fairtrade-Audits durchführen. Importeure sollten prüfen, ob ihre Kaffee-Kooperativen bereits Koordinatendaten haben oder bereit sind, diese zu erheben.

Für Kaffee aus Ethiopia Commodity Exchange (ECX) oder anderen aggregierten Handelsplattformen ist die Koordinatenbeschaffung komplexer, da die Flächen-Zuordnung durch den aggregierten Handel verwischt wird. Hier sind Rückverfolgbarkeitssysteme von Kaffeeverband oder Spezialitätenkaffee-Programmen hilfreich.

  • Fairtrade DeutschlandFairtrade-zertifizierte Kaffeekooperativen erfassen GPS-Koordinaten ihrer Mitgliedsbauern — eine belastbare Ausgangsbasis für EUDR-Koordinatenabfragen.

Was Kaffeeröster und -händler in DACH jetzt tun müssen

Kaffeeröster die Rohkaffee direkt importieren (Operator): Kontaktieren Sie Ihre Lieferanten-Kooperativen mit einer Koordinaten-Anfrage. Fragen Sie auch, ob Rückverfolgbarkeits-Programme (Rainforest Alliance, UTZ, Origin Tracking) bereits Koordinatendaten enthalten.

Kaffee-Großhändler und Importeure (Operator): Fordern Sie von Ihren Exporteuren in den Erzeugerländern DDS-Referenznummern oder die zugrunde liegenden Koordinatendaten an.

Kaffeehändler die ausschließlich von deutschen oder EU-Röstern kaufen (Händler): Dokumentieren Sie die DDS-Referenznummern Ihrer Lieferanten. Keine eigene DDS erforderlich, aber die Referenznummern müssen auf Anfrage der Behörde vorgelegt werden können.

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Häufige Fragen

Welche Kaffee-Produkte fallen unter die EUDR?
Rohkaffee (HS 0901), Röstkaffee, Kaffeeextrakte und -konzentrate fallen unter die EUDR. Kapselkaffee und fertige Kaffeegetränke fallen ebenfalls darunter, wenn Kaffee als wesentlicher Bestandteil enthalten ist.
Was müssen Kaffeeröster konkret tun?
Kaffeeröster müssen von ihren Lieferanten Geo-Koordinaten der Kaffee-Anbauflächen anfordern, eine Risikobewertung per EU-Länder-Benchmark durchführen und für jede Einfuhrsendung eine DDS bei TRACES NT einreichen.
Welche Herkunftsländer sind für deutschen Kaffee-Import relevant?
Die wichtigsten Ursprungsländer: Brasilien (Standard-Risk), Äthiopien (Standard-Risk), Vietnam (Low-Risk), Kolumbien (Standard-Risk). Der Risikostatus pro Land bestimmt den Prüfungsaufwand.
Was gilt für kleine Kaffeeröstereien?
Die vereinfachte Regelung nach Art. 4a EU 2025/2650 gilt nur für Kleinst- und Kleinprimärerzeuger in Low-Risk-Ländern, die selbst erzeugen — ein Kaffeeröster, der Rohkaffee importiert, gehört nicht dazu und braucht eine vollständige DDS. KMU bis 250 Mitarbeiter profitieren von der verlängerten Frist bis 30. Juni 2027.
Was passiert wenn ich keinen Koordinaten-Nachweis bekomme?
Ohne Nachweis der Entwaldungsfreiheit darf die Ware nicht in den EU-Markt gebracht werden. Optionen: alternativer Lieferant, erweiterte Sorgfaltsprüfung mit Satellitenbildvergleich, oder Risikominderungsmaßnahmen dokumentieren.

Hinweis zur Einordnung dieses Ergebnisses

WaldNachweis berechnet auf Basis Ihrer Angaben gemaess Verordnung (EU) 2023/1115 (EUDR). Das Ergebnis ist eine strukturierte Berechnungsgrundlage - kein Rechtsgutachten, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG. Die finale rechtliche Bewertung obliegt Ihnen und Ihrem Rechtsberater. Der Anbieter uebernimmt keine Haftung fuer Entscheidungen auf Basis dieses Ergebnisses.