Gilt die EUDR für Kaffeeröster und Kaffeehändler?
Kurz-Antwort
Ja, Kaffee fällt unter die EUDR. Kaffeeröster und -händler müssen für Kaffee aus Brasilien, Äthiopien, Vietnam und anderen Herkunftsländern nachweisen, dass der Kaffee nicht auf seit dem 31. Dezember 2020 entwaldeten Flächen angebaut wurde. KMU-Frist: 30. Juni 2027.
Welche Kaffeeprodukte fallen konkret unter die EUDR?
Kaffee ist einer der sieben EUDR-Rohstoffe. Betroffen sind: Rohkaffee (HS 0901.11, 0901.12), gerösteter Kaffee (HS 0901.21, 0901.22), entkoffeinierter Kaffee, Kaffee-Extrakte und -Zubereitungen (HS 2101.11, 2101.12). Auch Kaffeekapseln und Instantkaffee fallen darunter, sofern Rohkaffee oder Röstung EUDR-relevante Anteile enthält.
Nicht erfasst: Produkte in denen Kaffee nur ein Aromamittel oder Spurenbestandteil ist, ohne eigenständige Rohkaffee-Zutat (z. B. Kaffee-Aroma in Süßwaren). Die EUDR-Relevanz hängt vom tatsächlichen Kaffee-Rohstoffgehalt ab, nicht nur von der Produktbezeichnung.
Entscheidend für die Operator-Stellung: Wer Rohkaffee direkt aus einem Nicht-EU-Land importiert und in Deutschland röstet oder verarbeitet, ist Operator. Wer bereits gerösteten Kaffee von einem deutschen Importeur kauft, ist Händler.
Hauptlieferländer Kaffee: Risikostatus nach EU 2025/1093
Brasilien (größter Exporteur weltweit): Standard-Risk — nicht im Anhang der DVO 2025/1093 gelistet (Art. 1 Satz 2). Es gilt die volle Sorgfaltspflicht mit vollständiger Risikobewertung; die vereinfachte Prüfung nach Art. 13 EUDR steht hier nicht offen.
Vietnam (zweitgrößter Exporteur): Low-Risk laut Anhang DVO 2025/1093 — vereinfachte Sorgfaltspflichten nach Art. 13 EUDR möglich, Koordinatenpflicht bleibt bestehen. Vietnam ist der weltgrößte Robusta-Produzent; viele deutsche Massenkaffee-Mischungen enthalten vietnamesische Bohnen.
Äthiopien (größter afrikanischer Produzent, Arabica-Herkunft): Standard-Risk. Koordinaten-Beschaffung in Äthiopien ist besonders herausfordernd, da über 60 % des Kaffees von Kleinbauern mit Flächen unter 1 ha stammt — diese brauchen nur Punkt-Koordinaten, müssen aber persönlich erfasst werden.
Kolumbien, Costa Rica, Peru, Honduras: Standard-Risk. Honduras und Guatemala haben ausgeprägte Kleinbauernstrukturen, gut entwickelte Kooperativen die Koordinaten oft bereits erfassen.
Koordinaten für Kaffeeplantagen: Kleinbauern und Kooperativen
Das größte praktische Problem bei Kaffee: Über 12,5 Millionen Kaffeebauern weltweit bewirtschaften Flächen unter 2 Hektar. Eine direkte Koordinatenabfrage bei jedem einzelnen Kleinbauern ist für Importeure nicht machbar.
Die Lösung liegt in der Kooperativen-Struktur: Kaffeebauern sind in vielen Anbauregionen in Kooperativen organisiert, die bereits GPS-Erfassungen für Qualitätszertifikate oder Fairtrade-Audits durchführen. Importeure sollten prüfen, ob ihre Kaffee-Kooperativen bereits Koordinatendaten haben oder bereit sind, diese zu erheben.
Für Kaffee aus Ethiopia Commodity Exchange (ECX) oder anderen aggregierten Handelsplattformen ist die Koordinatenbeschaffung komplexer, da die Flächen-Zuordnung durch den aggregierten Handel verwischt wird. Hier sind Rückverfolgbarkeitssysteme von Kaffeeverband oder Spezialitätenkaffee-Programmen hilfreich.
- Fairtrade Deutschland ↗Fairtrade-zertifizierte Kaffeekooperativen erfassen GPS-Koordinaten ihrer Mitgliedsbauern — eine belastbare Ausgangsbasis für EUDR-Koordinatenabfragen.
Was Kaffeeröster und -händler in DACH jetzt tun müssen
Kaffeeröster die Rohkaffee direkt importieren (Operator): Kontaktieren Sie Ihre Lieferanten-Kooperativen mit einer Koordinaten-Anfrage. Fragen Sie auch, ob Rückverfolgbarkeits-Programme (Rainforest Alliance, UTZ, Origin Tracking) bereits Koordinatendaten enthalten.
Kaffee-Großhändler und Importeure (Operator): Fordern Sie von Ihren Exporteuren in den Erzeugerländern DDS-Referenznummern oder die zugrunde liegenden Koordinatendaten an.
Kaffeehändler die ausschließlich von deutschen oder EU-Röstern kaufen (Händler): Dokumentieren Sie die DDS-Referenznummern Ihrer Lieferanten. Keine eigene DDS erforderlich, aber die Referenznummern müssen auf Anfrage der Behörde vorgelegt werden können.
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EUDR-Check starten →Häufige Fragen
- Welche Kaffee-Produkte fallen unter die EUDR?
- Rohkaffee (HS 0901), Röstkaffee, Kaffeeextrakte und -konzentrate fallen unter die EUDR. Kapselkaffee und fertige Kaffeegetränke fallen ebenfalls darunter, wenn Kaffee als wesentlicher Bestandteil enthalten ist.
- Was müssen Kaffeeröster konkret tun?
- Kaffeeröster müssen von ihren Lieferanten Geo-Koordinaten der Kaffee-Anbauflächen anfordern, eine Risikobewertung per EU-Länder-Benchmark durchführen und für jede Einfuhrsendung eine DDS bei TRACES NT einreichen.
- Welche Herkunftsländer sind für deutschen Kaffee-Import relevant?
- Die wichtigsten Ursprungsländer: Brasilien (Standard-Risk), Äthiopien (Standard-Risk), Vietnam (Low-Risk), Kolumbien (Standard-Risk). Der Risikostatus pro Land bestimmt den Prüfungsaufwand.
- Was gilt für kleine Kaffeeröstereien?
- Die vereinfachte Regelung nach Art. 4a EU 2025/2650 gilt nur für Kleinst- und Kleinprimärerzeuger in Low-Risk-Ländern, die selbst erzeugen — ein Kaffeeröster, der Rohkaffee importiert, gehört nicht dazu und braucht eine vollständige DDS. KMU bis 250 Mitarbeiter profitieren von der verlängerten Frist bis 30. Juni 2027.
- Was passiert wenn ich keinen Koordinaten-Nachweis bekomme?
- Ohne Nachweis der Entwaldungsfreiheit darf die Ware nicht in den EU-Markt gebracht werden. Optionen: alternativer Lieferant, erweiterte Sorgfaltsprüfung mit Satellitenbildvergleich, oder Risikominderungsmaßnahmen dokumentieren.
Hinweis zur Einordnung dieses Ergebnisses
WaldNachweis berechnet auf Basis Ihrer Angaben gemaess Verordnung (EU) 2023/1115 (EUDR). Das Ergebnis ist eine strukturierte Berechnungsgrundlage - kein Rechtsgutachten, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG. Die finale rechtliche Bewertung obliegt Ihnen und Ihrem Rechtsberater. Der Anbieter uebernimmt keine Haftung fuer Entscheidungen auf Basis dieses Ergebnisses.