Gilt die EUDR für Kakao-Importeure und Schokoladenhersteller?
Kurz-Antwort
Ja, Kakao ist eine der sieben EUDR-Rohstoffkategorien. Deutschland importiert Kakao hauptsächlich aus Côte d'Ivoire (Standard-Risk), Ghana (Low-Risk laut Anhang DVO 2025/1093) und Ecuador (Standard-Risk). Der Risikostatus unterscheidet sich also je Herkunftsland. Kakao-Importeure müssen für jede Einfuhr Geo-Koordinaten der Kakaofarmen vorweisen und eine DDS bei TRACES NT einreichen. KMU-Frist: 30. Juni 2027.
Welche Kakao-Produkte fallen unter die EUDR?
Kakao ist eine der sieben EUDR-Rohstoffkategorien. Betroffen sind: Rohkakaobohnen (HS 18.01), Kakaoschalen und -abfälle (HS 18.02), Kakaomasse (HS 18.03), Kakaobutter und -fett (HS 18.04), Kakaopulver (HS 18.05), Schokolade und kakaohaltige Lebensmittelzubereitungen (HS 18.06).
Auch Nuss-Nougat-Cremes, Pralinen und schokoladenhaltige Riegel fallen darunter, sofern Kakao ein wesentlicher Bestandteil ist. Kakaobutter-Substitute aus Palmöl oder anderen Fetten fallen unter die jeweiligen Palmöl- oder Soja-Regelungen.
Schokoladenhersteller die Rohkakao direkt importieren, sind Operators. Betriebe die Kuvertüre oder Kakaomasse von einem EU-Importeur beziehen, sind Händler — mit deutlich vereinfachten Pflichten.
Hauptlieferländer Kakao und ihr EUDR-Risikostatus
Côte d'Ivoire: Standard-Risk. Größter Kakaoproduzent weltweit (ca. 45 % der globalen Produktion). Der Risikostatus bedeutet, dass für jede Lieferung eine vollständige Risikobewertung mit Koordinaten durchgeführt werden muss.
Ghana: Low-Risk. Zweitgrößter Produzent (ca. 15 %) — anders als Côte d’Ivoire steht Ghana im Anhang der DVO 2025/1093 und ist damit Low-Risk. Für Importeure bedeutet das die vereinfachte Sorgfaltspflicht nach Art. 13 EUDR; Koordinaten der Kakaofarmen bleiben Pflicht. Die praktische Herausforderung (viele Kleinbauern mit Flächen unter 4 ha, wenig digitale Infrastruktur) bleibt bestehen.
Ecuador: Standard-Risk — nicht im Anhang der DVO 2025/1093 gelistet (Art. 1 Satz 2). Wichtig für Premium-Kakao-Sorten (Nacional, Arriba); es gilt die volle Sorgfaltspflicht mit vollständiger Risikobewertung.
Peru, Indonesien, Kamerun: Standard-Risk. Peru wächst als Fine-Flavor-Kakao-Origin; gut entwickelte Kooperativen-Strukturen erleichtern die Koordinatenbeschaffung.
Koordinaten für Kakaoplantagen: Kooperativen als Schlüssel
Die globale Kakaoversorgung hängt zu über 80 % von Kleinbauern ab, typischerweise mit 1–5 Hektar großen Flächen in Côte d'Ivoire und Ghana. Die direkte Erfassung jedes einzelnen Bauern ist für Importeure nicht realistisch — aber auch nicht notwendig.
Die Lösung: Exporteure und Kooperativen in den Erzeugerländern sind die Koordinatenlieferanten. Größere Kakao-Exporteure (Barry Callebaut, Cargill, Touton) haben bereits begonnen, Koordinaten ihrer Lieferanten-Bauern zu erfassen. Importeure sollten direkt bei ihren Exporteuren anfragen, ob und in welcher Form Koordinatendaten verfügbar sind.
Für Fair-Trade- und Bio-Kakao-Importeure ergibt sich ein Vorteil: Zertifizierungsprogramme von Fairtrade, Rainforest Alliance und UTZ haben die Bauern-Identifikation und zum Teil GPS-Erfassung bereits integriert. Diese Daten können als Grundlage für EUDR-Koordinaten dienen.
- Rainforest Alliance — Zertifizierung Kakao & Kaffee ↗Rainforest Alliance-Programm erfasst GPS-Koordinaten zertifizierter Kakaobauern — können als Ausgangsbasis für EUDR-Koordinatennachweise dienen.
Kakao-Operator vs. Händler: Wo liegt die Grenze?
Operator bei Kakao: Importiert Rohkakaobohnen (HS 18.01) oder Kakaomasse (HS 18.03) direkt aus Drittländern wie Côte d'Ivoire oder Ghana. Muss eine vollständige DDS mit Koordinaten der Anbauflächen einreichen.
Händler bei Kakao: Kauft Kuvertüre oder Kakaopulver von einem deutschen oder EU-Importeur, der bereits eine DDS eingereicht hat. Muss die DDS-Referenznummer des Vorlieferanten dokumentieren, aber keine eigene DDS erstellen.
Grenzfall: Wer Kakaobohnen innerhalb der EU kauft, die von einem anderen Operator importiert wurden, aber selbst weiterverarbeitet (röstet, mahlt), muss prüfen, ob dadurch eine neue Operator-Pflicht entsteht. In der Regel gilt: Wer die erste Verarbeitung in der EU vornimmt nachdem ein anderer Operator importiert hat, ist Händler — außer die Verarbeitung erzeugt ein neues Produkt das erstmals in Verkehr gebracht wird.
Kostenloser EUDR-Eignungs-Check
Prüfen Sie jetzt Ihre Lieferanten: Koordinaten eingeben, Risiko-Ampel erhalten. Kostenlos, ohne Registrierung.
EUDR-Check starten →Häufige Fragen
- Welche Kakao-Produkte fallen unter die EUDR?
- Rohe Kakaobohnen, Kakaopulver, Kakaobutter, Kakaomasse und Schokolade fallen unter die EUDR. Auch Milchschokolade ist erfasst, wenn Kakao als wesentlicher Bestandteil enthalten ist.
- Côte d'Ivoire und Ghana: Welcher Risikostatus gilt?
- Beide Länder sind Standard-Risk in der EU-Länder-Benchmark (EU 2025/1093). Das bedeutet: vollständige Sorgfaltspflicht mit Koordinaten-Prüfung ist erforderlich.
- Was müssen kleine Schokoladenhersteller tun?
- Wer Rohkakao direkt importiert, ist Operator und muss eine DDS erstellen. Wer Kakao oder Kakaoprodukte innerhalb der EU einkauft, ist Händler — mit vereinfachten Pflichten, sofern der Vorlieferant EUDR-konform ist.
- Wie beschaffe ich Koordinaten von Kakao-Kooperativen?
- Kakao-Kooperativen in Westafrika arbeiten oft mit GPS-Daten auf Farmebene. Bitten Sie Ihren Exporteur, die GPS-Daten aller beteiligten Farmen bereitzustellen. Zertifizierungsstellen (Rainforest Alliance, Fairtrade) erfassen diese Daten häufig bereits.
- Gilt die EUDR auch für Bio-Kakao und Fair-Trade-Kakao?
- Ja. EUDR-Pflichten gelten unabhängig von Zertifizierungen. Bio- oder Fair-Trade-Zertifikate ersetzen die EUDR-DDS nicht, können aber als ergänzender Nachweis in der Risikobewertung berücksichtigt werden.
Hinweis zur Einordnung dieses Ergebnisses
WaldNachweis berechnet auf Basis Ihrer Angaben gemaess Verordnung (EU) 2023/1115 (EUDR). Das Ergebnis ist eine strukturierte Berechnungsgrundlage - kein Rechtsgutachten, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG. Die finale rechtliche Bewertung obliegt Ihnen und Ihrem Rechtsberater. Der Anbieter uebernimmt keine Haftung fuer Entscheidungen auf Basis dieses Ergebnisses.